• © Klaus Ranger
  • Mi, 07.03. , 18:50 bis 19:00 Uhr
  • Warum das Unnütze notwendig ist

  • Vortrag
  • Ursula Baatz, Kuratorin 

    Warum das Unnütze notwendig ist?
    Debatten um Mindestsicherung, Grundeinkommen, Langzeitarbeitslosigkeit usw. haben eines gemeinsam: es geht um alle jene, die in der Informations- und Wissensgesellschaft keinen Platz mehr finden - entweder weil ihnen die Qualifikationen fehlen oder weil ihre Arbeit von Maschinen übernommen wurde. Sie sind überflüssig, denn sie haben keine Arbeit. Arbeit und Lebensunterhalt waren seit langem verkoppelt, und u.a. darauf beruht die Idee des Sozialstaates.
    Doch galt durch Jahrtausende Arbeit - worunter körperliche Arbeit verstanden wurde - als mindere Tätigkeit, als Strafe oder als Schande. Erst in der Neuzeit wurde Arbeit mit dem Aufkommen des Kapitalismus - des Merkantilismus und später der Industrialisierung - zu einem sozialpolitischen Imperativ. Das aufsteigende Bürgertum definierte sich über Arbeit, und die Erziehung zu gesellschaftlich nützlicher Produktivität wurde ein wesentlicher Aspekt der schulischen Bildung.
    Heute machen Maschinisierung und Automatisierung körperliche und zunehmend auch geistige Arbeit im herkömmlichen Sinn überflüssig.
    In Frage steht der gesellschaftliche Begriff von Arbeit: gilt als Arbeit nur, was Mehrwert produziert? Konzepte wie Grundeinkommen und Gemeinwohlökonomie geben von neuen Formen der Lebenssicherung aus. Und wenn nicht mehr Arbeit dem Leben Sinn gibt, was dann?