• Do, 19.02. , 11:00 bis 12:30 Uhr
  • Thomas Morus' "Utopia" als Sozialkritik und Gedankenexperiment Utopien und Dystopien. Eine Bestandsaufnahme in der Gegenwart

  • Vortrag
  • Thomas Schöderle, Politikwissenschaftler, Hochschule für Politik München / Akademie für Politische Bildung Tutzing, Deutschland

    Im Dezember 1516 erschien in Löwen die Utopia des Thomas Morus. Die Schrift lieferte nicht nur den Namen für eine neue literarische Gattung, sondern markiert auch den Beginn einer neuzeitlichen Denktradition. Mit seinem Werk entwirft der spätere englische Lordkanzler allerdings keinen fiktiven Idealstaat, wie oft unterstellt. Vielmehr ist die Utopia ein Instrument der Sozialkritik und zugleich ein humorvoll-geistreiches Gedankenexperiment über die Ambivalenzen eines rein vernünftigen Staatswesens. Mit der Kombination aus Kritik und Gegenbild prägte Morus letztlich entscheidend das konstitutive Schema aller klassischen Utopien.

     

    Martin Roussel, Wissenschaftlicher Geschäftsführer, Internationales Kolleg Morphomata, Center for Advanced Studies, Universität Köln, Deutschland

    Der Vortrag untersucht das Wechselverhältnis von Utopie und Dystopie in der Gegenwart, von den messianischen Paradigmen des Hollywoodkinos im Stile von "Terminator" oder "The Matrix" bis hin zu den Diskussionen um Michel Houellebecqs "Soumission". Gestellt wird damit auch die Frage nach eines "Glückes Unterpfand", das heißt nach einer prinzipiellen Relevanz von Utopien im Hier und Jetzt – den Schopenhauer'schen Verdacht eingeschlossen, dass unser Glücksstreben die eigentliche Quelle unseres Leidens sei.