• Sa, 07.03. , 14:45 bis 15:30 Uhr
  • Kinder der Apokalypse: Über Elternschaft, Erblasten und Endzeitängste

  • Vortrag
  • Florian Werner, Schriftsteller

    Die Geburt eines Kindes gilt traditionell als Anlass zur Freude. Für die Philosophin Hannah Arendt symbolisiert sie sogar den Inbegriff des glücklichen Anfangens, eine Wiederholung des göttlichen Schöpfungsakts: "Die Tatsache, dass in der Generationsfolge eine erinnerungswürdige Kontinuität dieser Anfänge besteht", schreibt sie, garantiere eine Geschichte, "die niemals enden kann, weil sie die Geschichte von Geschöpfen ist, deren Wesen der Anfang ist."

    Heute, im Zeitalter des Anthropozän, ist diese optimistische Sicht auf die Natalität grundlegend ins Wanken geraten. Kinder werden nicht länger fraglos als Verkörperung des Neubeginns wahrgenommen, sondern zunehmend als Inbegriff des Endes. Einerseits gehören sie zu den potenziellen Opfern der drohenden Klimakatastrophe - andererseits gelten sie als deren Mitverursacher. Neugeborene werden in Schadstoffemissionen umgerechnet, Eltern entscheiden sich aus Zukunftsangst gegen weiteren Nachwuchs, Vereine wie Conceivable Future progagieren Klimaschutz durch Kinderlosigkeit. Die Geburt eines neuen Menschen symbolisiert demnach nicht mehr die Genesis, sondern die Apokalypse.

    Darf man im Zeitalter des Anthropozän also noch weitere Kinder in die Welt setzen - und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was soll man tun, denken, hoffen, wenn man bereits Kinder hat? Wie kann man sie mit der Tatsache ihrer Geburt in einer womöglich dem Untergang geweihten Welt versöhnen? Und: Wie verändert die Aussicht auf eine allfällige Katastrophe unser Verständnis von Genealogie, Zukunft und Vererbung?