• Do, 10.03. , 09:30 bis 11:00 Uhr
  • Kampf ums Dasein oder Einander vertrauen. Eine biologische Grundlegung

  • Vortrag
  • Dr. phil. Andreas Weber, Biologe, Philosoph, Berlin

    Kurzbiografie:
    Er ist geb. 1967, studierte Biologie und Philosophie in Berlin, Freiburg, Hamburg und Paris. Er promovierte bei Hartmut Böhme (Berlin) und Francisco Varela (Paris). Journalistische Arbeiten seit 1994, vor allem für GEO, Merian, Die Zeit, mare, Greenpeace Magazin, oya. Freier Autor, Schriftsteller und Dozent. 2003/2004 Lehrauftrag im Fach Journalistik an der Universität Hamburg. Seit 2014 Dozent an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Universität der Künste Berlin. Andreas Weber lebt mit seinen zwei Kindern in Berlin und Italien.

    In seinen literarischen Sachbüchern setzt sich Weber für eine Überwindung der mechanistischen Interpretation von Lebensphänomenen ein. Weber entwickelt einen „poerischen Materialismus“ und eine „Biopoetik“: eine neue Sicht des Lebendigen als Phänomen des fühlenden Selbstausdrucks und einer schöpferischen Ökologie. Organisches Dasein wird von ihm beschrieben als die kontinuierliche Selbsterschaffung fühlender, wertender und Bedeutung setzender Subjekte vor dem Hintergrund der Möglichkeit des Todes.

     

    Martin Schenk, Psychologe, stv. Direktor der Diakonie Österreich, Wien

    Kurzbiografie:
    1988-1989 Wohngemeinschaft und Werkstätte mit Menschen intellektueller Behinderung 1989 Studium der Psychologie, Universität Wien 1989-1991 Mitarbeit in Tagesstätte für Wohnungslose "Gruft". Schwerpunkt: Psychiatrie und Jugendliche 1992-1993 Psychotherapeutisches Propädeutikum 1996-1997 Koordination Hemayat, psychotherapeutische und medizinische Betreuung für traumatisierte Flüchtlinge seit 1998 Sozialexperte der Diakonie Österreich, Arbeitsschwerpunkte: Kinder/Jugend, Gesundheit und Integration seit 2011: stellvertretender Direktor Sonstige Funktionen: seit 2006 Lehrbeauftragter am Fachhochschul-Studiengang Soziale Arbeit am Campus Wien. Seit den 90er Jahren Mitinitiator und Mitarbeiter zahlreicher sozialer Initiativen: "Hunger auf Kunst und Kultur" (Kultur für Leute ohne Geld), "Wiener Spendenparlament" (Stimmen gegen Armut), "Sichtbar Werden" (Armutsbetroffene organisieren sich), Kaffee Sospeso (www.sospeso-bohnuskaffe.at), Freier Mitarbeiter der Straßenzeitung „Augustin“ seit 2000 nominiert in den Menschenrechtsbeirat im Innenministerium /seit 2012 Volksanwaltschaft im Rahmen des UNO-Übereinkommens gegen Folter (OPCAT) Auszeichnungen Europäischer Menschenrechtspreis für Essays in Furche, Standard und Presse, 1997. Nominierung "Österreicher des Jahres" in Kategorie humanitäres Engagement der Tageszeitung Die Presse, 2004 Publikationen (Auswahl) Schenk, M.; Riffer Florian: Lücken und Barrieren im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht von Armutsbetroffenen, 2015. Dimmel, Nikolaus.; Schenk, M, Stelzer-Orthofer, Christine: Handbuch Armut in Österreich, Studienverlag 2014. Schenk, M; Bachinger, Eva: Die Integrationslüge. Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung, Deuticke, 2012. Schenk, M.; Moser, Michaela.: Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut, Deuticke, 2010. Schenk, M.; Mirzaei, S.: Abbilder der Folter. 15 Jahre Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen, Mandelbaum, 2010.

    Abstract

    Vom Geschmack des Vertrauens Die Ökonomen Karla Hoff und Priyanka Pandey veröffentlichten im Auftrag der Weltbank die Ergebnisse eines ungewöhnlichen Feldversuches. Sie legten Kindern, die sowohl aus einer höheren wie aus einer niederen indischen Kaste kamen, Aufgaben vor. In einem ersten Durchgang schnitten die Kinder aus den niederen Kasten leicht besser ab als die aus den höheren. Niemand wusste, wer welcher Kaste angehört. Dann wiederholte man das Experiment. Zuerst mussten sich die Kinder mit Namen, Dorf und Kastenzugehörigkeit vorstellen, dann durften sie die Aufgaben lösen. Das Ergebnis: Die Leistungen der Kinder aus den unteren Kasten waren deutlich schlechter. Gleiches aus den USA bei Sprachtests: Wenn die zu Testenden gebeten werden, ihre Gruppenzugehörigkeit anzugeben, in dem Fall, ob sie schwarz oder weiß seien, ändert sich alles. Diejenigen schwarzen Schüler, die aufgefordert wurden, ihre Hautfarbengruppe zu nennen, schnitten deutlich schlechter ab als ihre weißen Kollegen. Diejenigen, die nichts angeben mussten, zeigten dieselben Ergebnisse wie die weißen Schüler. Wenn man eine Gruppe verletzlich macht hinsichtlich negativer Vorurteile, die im gesellschaftlichen Kontext vorherrschen, dann bleibt das nicht ohne Wirkung. Wer damit rechnet, als unterlegen zu gelten, bringt schlechtere Leistungen. »Stereotype threat« wird dieser Effekt genannt, Bedrohung durch Beschämung. Umgedreht heißt das, dass die besten Entwicklungsvoraussetzungen in einem anerkennenden Umfeld zu finden sind, dort wo wir an unseren Erfolg glauben dürfen. Statusangst und die Folgen negativer Bewertung sind Lern- und Leistungshemmer.

    Lerne ich den Geschmack vom zukünftigen Leben als Konkurrenz, Misstrauen, Verlassensein, Gewalt kennen? Oder habe ich die Erfahrung qualitätsvoller Beziehungen, von Vertrauen und Empathie gemacht? Werde ich schlecht gemacht und beschämt oder geschätzt und erfahre Anerkennung? Ist mein Leben von großer Unsicherheit, Angst und Stress geprägt oder von Vertrauen und Planbarkeit? Je ungleicher Gesellschaften sind, desto schlechter sind diese psychosozialen Ressourcen. Es gibt weniger Inklusion, das heißt häufiger das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Es gibt weniger Partizipation, also häufiger das Gefühl, nicht eingreifen zu können. Es gibt weniger Reziprozität, also häufiger das Gefühl, sich nicht auf Gegenseitigkeit verlassen zu können.