• Sa, 07.03. , 16:30 bis 17:30 Uhr
  • Abschlussdiskussion Was kann Familie?

  • Podiumsdiskussion
  • Barbara van Melle, Unternehmerin, Autorin, Slow Food-Aktivistin

    Essen wir uns selbst und den Planten krank? Warum unser industrialisiertes Ernährungssystem Mensch und Umwelt schadet.

    Du bist, was du isst! Ein altbekannter Satz, in dem viel Wahrheit steckt. Denn wir werden tatsächlich zu dem, was wir essen, uns einverleiben und verstoffwechseln. Deshalb ist es auch nicht gleichgültig, wie wir uns ernähren. Die Wahl unserer Lebensmittel bestimmt, was aus uns wird, davon sind heute auch Ernährungswissenschaft und Gehirnforschung überzeugt. Was wir essen und wie wir es produzieren, entscheidet aber nicht nur über die Gesundheit und das Wohlergehen jedes Einzelnen, sondern bestimmt auch die Zukunft des Planeten. Unser industrialisiertes Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für die drängendsten Probleme des Planeten, für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltvergiftung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Slow Food setzt sich weltweit dafür ein, dass ein Umdenken stattfindet und die Menschen erkennen, dass Genuss viel mit Verantwortung zu tun hat und jeder Einzelne durch einen achtsamen Umgang mit der Wahl seiner Lebensmittel zum Wandel beitragen kann.

     

    Florian Werner, Schriftsteller

    Kinder der Apokalypse: Über Elternschaft, Erblasten und Endzeitängste
    Die Geburt eines Kindes gilt traditionell als Anlass zur Freude. Für die Philosophin Hannah Arendt symbolisiert sie sogar den Inbegriff des glücklichen Anfangens, eine Wiederholung des göttlichen Schöpfungsakts: "Die Tatsache, dass in der Generationsfolge eine erinnerungswürdige Kontinuität dieser Anfänge besteht", schreibt sie, garantiere eine Geschichte, "die niemals enden kann, weil sie die Geschichte von Geschöpfen ist, deren Wesen der Anfang ist."

    Heute, im Zeitalter des Anthropozän, ist diese optimistische Sicht auf die Natalität grundlegend ins Wanken geraten. Kinder werden nicht länger fraglos als Verkörperung des Neubeginns wahrgenommen, sondern zunehmend als Inbegriff des Endes. Einerseits gehören sie zu den potenziellen Opfern der drohenden Klimakatastrophe - andererseits gelten sie als deren Mitverursacher. Neugeborene werden in Schadstoffemissionen umgerechnet, Eltern entscheiden sich aus Zukunftsangst gegen weiteren Nachwuchs, Vereine wie Conceivable Future progagieren Klimaschutz durch Kinderlosigkeit. Die Geburt eines neuen Menschen symbolisiert demnach nicht mehr die Genesis, sondern die Apokalypse.

    Darf man im Zeitalter des Anthropozän also noch weitere Kinder in die Welt setzen - und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was soll man tun, denken, hoffen, wenn man bereits Kinder hat? Wie kann man sie mit der Tatsache ihrer Geburt in einer womöglich dem Untergang geweihten Welt versöhnen? Und: Wie verändert die Aussicht auf eine allfällige Katastrophe unser Verständnis von Genealogie, Zukunft und Vererbung?

    Michael Hartmann, Soziologe, em. Universitätsprofessor Technischen Universität Darmstadt